Presse


 


 

Die Rhein-NeckarZeitung (2005/Nr. 160) anlässlich der Ausstellung „Malprozesse“ in der
Stadtbücherei Heidelberg:

Im Dialog mit dem Material

Ausstellung „Bilder-Malprozesse“ in der Stadtbücherei zeigt Werke von Cholud Kassem,
Lena Reutter und Nadine Joos

Von Ingeborg Salomon

(Auszug)
„…Cholud Kassem und ihre Schülerinnen hätten das umgesetzt, was Adorno als die „Gegensätzlichkeit von Mimesis und Konstruktion“ bezeichntehabe, erklärte Professor Carl-Peter Buschkühle in seinem Einführungsvortrag. Der Professor für Kunst an der Pädagogischen Hochschule erläuterte, dass es neben einem sensiblen Wahrnehmen von Formen und Strukturen, der Mimesis, eines beherzten Zugriffs auf das Material bedürfe, um ein Bild entstehen zu lassen. „Aus diesem Spannungsfeld entsteht ein Kunstwerk“, so Buschkühle. Bei den Bildern von Lena Reutter lasse sich dieser Prozess gut beobachten. Die 27-Jährige, die letztes Jahr ihr Studium an der PH abgeschlossen hat und zur Zeit als Referendarin arbeitet, experimentiert in ihren Arbeiten mit dem Farbauftrag. Hier dominiert die Abstraktion der gegenständlichen Welt, sie zeigt Vergängliches wie welkende Blüten oder verrostetes Metall. (…)“



Der Mannheimer Morgen anlässlich der Ausstellung „Surfaces profondes“

Tiefe Oberflächen in sanften Farben

KUNST: Die neue Heidelberger Galerie "Bourgeois Pig" zeigt Werke von Lena Reutter
Von unserer Mitarbeiterin Susanne Kaeppele

Schon im Schaufenster der neuen Galerie "Bourgeois Pig" in Heidelberg sind die ersten Spuren von Lena Reutters Malerei zu sehen: Ein kleines Bild steht dort, in sanften Farben gehalten, ein mit Zahlenresten variiertes, abstraktes Farbenspiel. Im Innern der neuen, lebhaften Kunst-Kooperative, die in einer ehemaligen Metzgerei beheimatet ist -daher auch der Name -findet sich dann unvermutet ein kleiner, weiß gefliester Ausstellungsraum.

Lena Reutter, die 1978 in Filderstadt geborene Künstlerin, besuchte an der PH die Kurse "Malen als Prozess" der Heidelberger Malerin Cholud Kassem. Ähnlich wie Kassem trägt sie Farben auf, kratzt oder wischt sie wieder weg, legt eine neue Schicht auf, lässt sie wieder verschwinden, bis ein Bild nach ihrem Dafürhalten den richtigen Zustand aufweist. Aber ihr Zugang ist ganz eigenständig, oft figurativ, und unter der Überschrift "Surfaces profondes", was programmatisch so viel heißt wie "tiefe Oberflächen", finden sich hier nun ganz neue großformatige Bilder.

Etwa ein "airsud" betiteltes Gemälde, das die fragmentarische Beschriftung eines Flugzeugs zeigt, aber durch die sanften Farbtöne und das Abgeschabte sofort an fremde (ärmere) Länder denken lässt. Bei näherer Betrachtung enthüllt sich das Rund eines Triebwerks, oben rechts dann in Rot ein ganz kleiner Flieger. Da der Vordergrund in mildem Grün gehalten ist, ergeben sich dezente Spannungsverhältnisse. Ähnliches ist über die anderen Gemälde zu sagen, die auch Vögel und Pflanzen darstellen können, wie etwa einen flirrenden Kolibri vor großer, weißer Blüte. Die Künstlerin greift gerne zurück auf den Eindruck von alten Hauswänden, in Frankreich oder Italien etwa, die abgeschabt und verwittert sind, und auf denen sich Schriftzüge und Anstriche vergangener Zeiten entdecken lassen. Erneut zeigt sich Reutters Gespür für erlesene Farbtöne und Mischungsverhältnisse, auch in Gemälden, die vom Sujet her an die 50er Jahre denken lassen.

Mannheimer Morgen
18. August 2007